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Märchen sind die letzte
Literaturgattung,
die uns in dem Glauben verführt,
dass die Liebe eine
Chance auf dieser Welt hat.
Eugen Drewermann


Der Teufel und der Ring der Königin

Es war einmal ein Teufel, der den starken Wunsch hatte, das wertvollste, was die Königin Rakutina des Schlosses Babur in Baburien hatte, zu besitzen. Es war ihr Zauberring, den sie immer bei sich trug. Bei Tag und Nacht und bei jeder Gelegenheit. Man sagte diesem Ring nach, dass er den Menschen, der ihn trug, verzaubern könne. Diesem Menschen würden alle Wünsche erfüllt werden. Egal, welche. Ob es Geld war oder eine Maus in der Speisekammer.

Und Königin Rakutina hatte wirklich alles, was ein Mensch sich vorstellen konnte. Ein schönes Schloss, Diener um sich herum, so viel Geld, das sie gar nicht alles ausgeben konnte, einen riesengroßen Kleiderschrank, der voll beladen war, Schmuck in allen Farben und Formen und viele liebe Menschen um sich herum. Man sah es der Königin auch an. Sie strahlte, lachte den ganzen Tag und war fröhlich – und: sie steckte ihre Mitmenschen damit an! Niemals hatte man sie weinen sehen – es gab ja auch keinen Grund dazu.

Eines Tages nun wurde der Frieden auf Schloss Babur jäh unterbrochen, als die Kunde umging, man habe den Teufel im Schloss gesichtet. Sofort herrschte Unruhe und Geschäftigkeit, denn jedermann hatte Angst vor dem Teufel, der einen mit in die Hölle nehmen konnte und da wollte schließlich keiner hin. Man wollte jetzt die Königin schützen und alarmierte die Schlossarmee, die sich auch sofort auf den Weg zur Königin machte. Rumpelnd stampften sie durch die langen Flure des Schlosses und die Schwerter und Schilde klirrten, das es sich gespenstisch anhörte.

Aber die Arme kam zu spät. Der Teufel, flink, wie er war, war schon längst in die Gemächer der Königin eingedrungen und bedrohte die Königin mit einer Lanze. Die sonst immer lachende und fröhliche Königin war merklich stiller geworden. Die Gesichtszüge waren angespannt. „Sage deinen Mannen, sie sollen sofort wieder kehrt machen, oder ich durchbohre dich!“ herrschte der Teufel die Königin an. „Los, mach' schon!“

„Aber lieber Teufel“, meinte Rakutina betörend, „du hast mich doch bedroht. Es ist doch ganz verständlich, dass man um mich besorgt ist und mir deshalb meine Leibgarde schickt. Höre auf, mich zu belästigen, verlasse das Schloss und meine Mannen werden sich auch wieder zurückziehen können!“

„Nein. Ich werde das Schloss nicht ohne deinen Zauberring verlassen. Also gib' ihn schon her – oder du stirbst!“ giftete der Teufel. Aber die Königin blieb ruhig, denn sie kannte das Geheimnis des Rings.

„Also gut, Teufel. Wenn du gar so uneinsichtig bist, so werde ich dir deinen ach so sehnlichen Wunsch erfüllen. Allerdings unter einer Bedingung: Du darfst keine weiteren Fragen stellen und verlässt wortlos mein Schloss!“

„Ich sehe, meine teure Königin ist doch klüger als sie aus¬sieht. Ich verspreche es und jetzt gib' mir den Ring!“

Die Königin nickte wortlos, hob ihre linke Hand und besah sich noch einmal den Zauberring, den sie bereits im Kindesalter von einer alten, weisen Zigeunerin erhalten hatte. Ein großer, roter Edelstein funkelte dort. Rundherum glänzten und glitzerten viele Diamanten. Die Fassung war mit vielen Verzierungen versehen und aus purem Gold. Man sah auf den ersten Blick, dass es ein sehr wertvoller Ring war.

Langsam und zögernd zog die Königin den Ring von ihrem Finger. „Hier überreiche ich dir mein Geschenk“, sprach sie und hielt es dem Teufel hin, der ihr den Ring sofort aus der Hand riss. Im gleichen Moment aber wurde der Ring zu Stein.

„Was soll das?“ brüllte der Teufel aufgebracht. „Du hast den Ring verhext. Ich will sofort das haben, was mir zusteht!“

Aber Rakutina sah ihn nur mitleidig an und erinnerte ihn an das Versprechen, das er nur wenige Minuten zuvor gegeben hatte. Die Leibgarde der Königin hatte die Gewehre im Anschlag, um Rakutina jederzeit schützen zu können. Aber der Teufel sah ein, dass er keine Chance mehr hatte. Das Gute hatte gesiegt.

„Ein Zauberring hat nur für den Wirkung, der ihn immer und ständig bei sich trägt. Der wahre Wert ist nicht der Wert des Goldes oder der Edelsteine. Den wahren Wert des Zauberringes kann man nur dann sehen, wenn der rechtmäßige Eigentümer ihn an der Hand trägt. Das ist seine Bestimmung und dann wird auch alles Gute zu dem Träger des Ringes fließen!“ sprach Rakutina und nahm den Stein wieder an sich und wog ihn in den Händen.

„Jetzt löse dein Versprechen ein und geh'!“

Widerspruchslos gehorchte der Teufel und in dem Moment, wo er zur Tür hinaus war, wurde aus dem Stein wieder der wunderschöne Zauberring, der er zuvor gewesen war.

Die Leibgarde der Königin begleitete den Teufel noch zum Tor des Schlosses hinaus und er wurde auf Schloss Babur in Baburien nie wieder gesehen.

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Das Schreiben
löst die Illusion vom individuellen Sein auf,
und man wird Teil eines Ganzen.
Das liebe ich am Schreiben:
Cornelia ist mit einem Mal ganz viele.

Cornelia Funk


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